18./19. Juli 2025

Eine alpine Allroundtour die es in sich hat!
Der Hüttenwirt steht unruhig auf der Terrasse der Kaunergrathütte, durch das Fernrohr beobachtet er angespannt die acht Südtiroler Bergsteiger beim Abstieg. Werden sie es schaffen? Es ist 16 Uhr. Blitze surren in der Luft, gefolgt von unheimlichem Donnerpoltern, es regnet zügig.
Die Watzespitze mit ihrem Ostgrat zählt zu den anspruchsvollsten 3000ern in Österreich. Stolz zeigt sie sich bereits am Vortag beim Hüttenzustieg. Die acht Bergsteiger der Alpingruppe Unterland sind begeistert, ein wunderschöner Berg mit beeindruckenden Hängegletschern. Der Anstieg von Plangeross im Pitztal ist einfach und kurzweilig, die 1.200 Höhenmeter zum Stützpunkt der Tour, der Kaunergrathütte (2. 817 m), flink überwunden.
Frühstück um 5 Uhr. Der frühe Vogel fängt den Wurm! Eine gute Entscheidung – im Nachhinein. Der Himmel klar, ein wunderschöner Sonnenaufgang, es sollte ein schöner sonniger Tag werden. 700 Höhenmeter gilt es zu überwinden. Luftige Kletterei bis zum 4. Grad, II-IIIer Gelände im kompaktem Fels, schmale Bänder, schuttbedeckte unangenehme Gehpassagen, schwindelige Plattenquerungen, ausgesetzte Grate und Felspfeiler. Alpinistenherz was willst du mehr. Die vier Seilschaften kommen gut voran. Verblasste rote Punkte, Bohrhaken, Steinmännchen, Schlingen, der legendäre große rote Pfeil und ein von Weitem sichtbarer großer Steinmann erleichtern die Orientierung und Wegfindung. Um 10.30 Uhr stehen alle glücklich am Gipfelkreuz. Die Sonne steht noch hoch. Der Rundumblick auf die Gletscher des Pitztales und Ötztales ist überwältigend. Tief durchschnaufen, kurz alles Glück einsaugen und dann rasch absteigen, der Wetterbericht sagt eine Gewitterfront gegen 15:30 Uhr vorher. Die eigentliche große Herausforderung dieser alpinen Hochtour ist der Abstieg. Abklettern und Abseilen wechseln sich ab, beides erfordert höchste Konzentration. Orientierung zwischenzeitlich schwierig. Es geht zäh voran. Vom Gletscher rumpelt es her, oder war es bereits ein Donnern? Die Wolken kämpfen gegen die Sonnenstrahlen, schieben sie schnell und frech auf die Seite, der Himmel wird grauer. Es beginnt leise zu regnen, Blitze surren, lauter Donner folgt. Ist uns Südtirolern die Königin des Kaunergrates wohl gesinnt?
17 Uhr. „Die Watze ist eben die Watze, die schenkt dir nix“, der Hüttenwirt ist erleichtert. Die Watzeaspiranten sind heil zurück, zwar müde und durchnässt, aber das spielt keine Rolle.
Euphorie kommt hoch, begleitet mit Dankbarkeit, Adrenalin gepaart mit Glückseligkeit. Wir sind demütig, überglücklich und in uns gekehrt. Ein herrliches Gefühl, genau dieses Gefühl, das uns immer wieder in die Berge zieht.
Die Watzespitze – ein wunderschöner Berg mit einer intensiven Erfahrung.

Claudia, Irene, Leonie, Roswitha, Ivan, Paul, Roland, Armin

@Roswitha