19./20. September 2025

Eindrucksvolles Kletterwochenende an der Cima d’Ambiez in der Brentagruppe

Das Wetter ist untypisch für die Brenta: sonnig, wolkenlos, angenehme Temperatur. Der Taxi-Jeep schüttelt uns von San Lorenzo Dorsino durch das Val d’Ambiez hinauf zum rifugio al Cacciatore, damit sparen wir uns satte 1.000 Höhenmeter und viele Schweißtropfen. Über einen gemütlichen Pfad steigen wir die restlichen 600 Höhenmeter hinauf zum rifugio Silvio Agostini auf 2.400 Metern, dem Ausgangspunkt für etliche Klettersteige und umgeben von einem beeindruckenden Kranz von Dreitausendern (oder fast) wie Cima d’Agola, Cima d’Ambiez, Cima Tosa, Cima Garbari und Campanile Steck. Auf der Hütte treffen wir einen Unterlandler Bergführer mit Gast und führen eine lebendige Unterhaltung. Rucksackkontrolle vor der Hüttenruhe: jemand aus unserer Gruppe hat ihren Rucksack recht individuell gepackt, nämlich ohne Helm, dafür aber mit zwei Klettergurten.

Die Nacht verläuft ruhig, der Morgen und das Frühstück ohne besondere Vorkommnisse. Wettermäßig könnten wir es nicht besser treffen. Bald stehen wir unter der beeindruckenden Wand der Cima d’Ambiez, an der viele Kletterrouten auf den Gipfel führen, keine davon unter dem sechsten Grad. Unser Programm ist gemütlich, wir steigen dem Berg auf dem Normalweg auf das Haupt. Die Schwierigkeit auf dem Normalweg ist maximal dritter Grad, und weil wir regelmäßig im Fels unterwegs sind, lassen wir das Seil im Rucksack. An Standplätzen und relativ neuen Spits vorbei gewinnen wir schnell an Höhe, und schon nach zwei Stunden stehen wir auf dem Gipfel und genießen das Panorama und die absolute Ruhe.

Nach geraumer Zeit machen wir uns an den Abstieg. Der erste Abseilstand ist bald gefunden. Mit Schwung wird das Seil hinausgeworfen und kommt drei Meter unter uns auf dem Absatz zu liegen (Sorry, falscher Arm), das nächste mal fliegt es etwas kurz (Ups!). Sachverständig kommentieren wir die Versuche unserer Kollegin, und der Spaß kommt nicht zu kurz. Im Handumdrehen bzw. nach zehn Abseilern und rasanter Verbesserung der Wurftechnik stehen wir auf der Bocca d’Ambiez. Ab hier folgen wir dem Klettersteig, wo eine größere Gruppe von Führeraspiranten das Sichern übt, hinunter auf das Eis, das von Schutt bedeckt und gut gangbar ist. In der Agostinihütte genehmigen wir uns etwas zu trinken und steigen dann ab zum rifugio al Cacciatore. Hier soll am Abend eine Feier stattfinden, das Spanferkel dreht sich schon auf dem Grill und dazu läuft laute Musik, die so gar nicht in diese majestätische Bergwelt passt. Gerne nehmen wir daher den nächsten Jeep ins Tal. Eine frische Fußspülung später fahren wir heimwärts.
Die wilde Bergwelt der Brenta, das ausnahmsweise schöne Wetter und die angenehme Gesellschaft haben gut getan und waren eine wohltuende Pause vom Alltag.
Irene, Roland, Armin